Wandern mit dem Marienheim Bad Münstereifel

Margarete Esser lebt seit acht Monaten in Bad Münstereifel. Seitdem lernt die Seniorin die Kurstadt täglich besser kennen. Am Samstagnachmittag spazierte die Neubürgerin mit ihrem Rollator von der Seniorenwohnanlage „Am alten Stadttor“ zum Seniorenhaus „Marienheim“ – über Pflastersteine einmal quer durch die Stadt.

„Ich habe aber noch lange nicht alles gesehen und will noch mehr über die Gegend wissen“, sagte Esser als sie am „Marienheim“ angekommen war. Dort war der Start der ersten geführten Wanderung für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen.

Die Leitung des „Marienheims“ und Mitglieder des Eifelvereins Bad Münstereifel hatten die Wanderung organisiert. „Wir erleben oft, dass Menschen mit Demenz an Zufriedenheit gewinnen, wenn sie ihren stark ausgeprägten Bewegungsdrang ausleben können“, sagte Angelika Mahlberg-Breuer. Die Marienheim-Pflegeleiterin stellte den Kontakt zum Eifelverein Bad Münstereifel her und fand bei Monika Schmitz, die seit Jahrzehnten in dem Wanderverein engagiert ist, offene Ohren.

Die beiden Damen setzten sich Anfang des Jahres zusammen und planten die erste Wanderung. Mittlerweile steht schon ein Jahresprogramm. Einmal im Monat soll vom aus Marienheim gewandert werden. Die Routen sollen dabei variieren und es soll nicht rein um die Bewegung gehen.

Das merkten die Teilnehmer bei der Premiere bereits nach wenigen Metern. Eifelverein-Pressesprecherin Monika Schmitz erzählte auf dem Weg durch die Stadt in Richtung Kurpark an zahlreichen Stellen aus dem Stadtgeschichts-Nähkästchen. Ergänzt wurden die Geschichten mehrfach von Edith Grunow. „Es ist total schön, dass eine Ur-Münstereifelerin dabei ist. Sie tut der Gruppe nicht nur wegen ihrer Fülle an Geschichten gut“, sagte Monika Schmitz.

Grunow sei ein perfektes Beispiel dafür, dass die Wanderungen des Seniorenhauses und des Eifelvereins für jeden konzipiert sind. Mitorganisatorin Mahlberg-Breuer schob die Senioren fast die kompletten fünf Kilometer durch die Kurstadt. Nur am Bahnhof ging Grunow einige Meter mit Hilfe der Pflegeleiterin und des Rollstuhls. „Bewegung ist gesund“, sagte Grunow leise und sprach damit wohl allen zehn Wanderinnen aus der Seele.

Unter den Teilnehmerinnen war bei der Premiere niemand, der an Demenz leidet. „Das ist überhaupt nicht schlimm. Das kann ja noch kommen und wenn nicht, wandern wir trotzdem. Es macht ja schließlich Spaß“, sagte „Marienheim“-Leiterin Beate Hörter, die sehr zufrieden mit der Resonanz bei der Premiere war.

Unterstützt wurden Hörter und Mahlberg-Breuer nicht nur von Monika Schmitz, sondern auch von Margarete Koch, Trude Bresgen und Rosemarie Cöln, die ebenfalls im Eifelverein aktiv sind. „Sie haben sofort ihre Bereitschaft erklärt, die Wanderschuhe zu schnüren“, freute sich Schmitz.

Wandern sei in diesem Zusammenhang allerdings eigentlich der falsche Begriff. Das Ganze könne auch als Spazierengehen angesehen werden. „Es geht vor allem um die Bewegung, denn die hält fit“, so Schmitz, die drei- bis viermal im Monat „richtig“ wandert.

Nicht müde zu bekommen, war bei der Premiere Margarete Esser. Sie saugte die Geschichten und Ausführungen über die Kurstadt förmlich auf und blickte plötzlich sehnsüchtig einer jungen Fahrradfahrerin hinterher. „Ich hatte nie ein Auto, dafür habe ich es geliebt, Fahrrad zu fahren“, so Esser. Seit einiger Zeit sei dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. Daher mache sie jetzt „ganz viel zu Fuß“.

Und wie fit die Seniorin ist, zeigte sich nach dem eigentlichen Ende der Wanderung. Mit einem „Bis zum nächsten Mal“ machte sie sich mit ihrem Rollator auf den Weg einmal quer durch die Stadt – zur Seniorenwohnanlage „Am alten Stadttor.

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