Decke Tönnes – „Tönnes, magst du och Speck“

Von Wilhelm Röhig, ca. 1955

Wie diese Kapellchen am „Decke Tönnes“ entstanden ist, erzählt folgende Sage:

In alter Zeit stand die Figur des heiligen Antonius auf einem Sockel frei im Walde. Eine Bank zu Füßen des Heiligen lud die Wanderer zu Rast und Gebet ein. Nun geschah es, dass eines Tages ein Mann aus Münstereifel geschäftlich nach Effelsberg wollte. Als er an den Bildstock im Walde kam, ruhte er sich auf der Bank aus und verzehrte sein Butterbrot. Darauf lag eine dicke Scheibe Speck. Nach dem Zubiß hatte er eine große Speckschwarte übrig. Wie es nun kam, ob ihn der Teufel ritt, man weiß es nicht genau, der Mann wurde übermütig und rieb dem Heiligen die Schwarte mit den Worten über den Mund: „Tönnes, magst du och Speck?“

Ob nun der Sockel der Figur morsch geworden war – wer mag das zu sagen – die Figur stürzte herab und begrub den Mann unter sich. Da lag er nun am Boden; niedergedrückt von der schweren Last konnte kaum noch atmen. Der Schweiß brach ihm aus und er wähnte zu ersticken. In seiner Not und Herzensangst bat er den Heiligen um Verzeihung. Er machte sogar ein Gelübde. „Antonius“, sagte er, „wenn du mich frei gibst und mir das Leben schenkst, will ich dir hier im Walde ein Häuschen bauen lassen, damit du nicht mehr ungeschützt im Freien zu stehen brauchst!“ Wie von Geisterhand bewegt, richtete sich die Figur auf und rückte an ihren alten Platz. Der Mann atmete erleichtert auf, und als er sich von seinem Schrecken erholt hatte, kehrte er eilends nach Münstereifel zurück, wo er den Seinen von seinem seltsamen Erlebnis im Walde berichtete. Eingedenk seines Versprechens, schickte er schon am nächsten Morgen Bauleute mit Wagen voll Sand, Kalk, Steinen und Holz hinaus. Sie errichteten die kleine Kapelle und stellten, als alles fertig war, die Figur des heiligen Antonius hinein. So hat der Mann sein unüberlegtes Handeln durch eine gute Tat gesühnt.

 

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