Karl Hürten

Ehrenmitglied Professor Karl Hürten
Ehrenmitglied Professor Karl Hürten

Professor Karl Hürten, der Eifelvater

ein Nachruf von Franz Getz

Fast gleichzeitig mit Hermann Ritter ist ein anderer Heimatfreund aus der Leben geschieden, Karl Hürten, der Eifelforscher. Am Freitag, dem 30. Oktober, gab ihm der endlose Zug seiner Freunde von nah und fern das letzte Geleit. Glänzender Sonnenschein lag über seinem lieben Städtchen Münstereifel, fast als ob auch die Natur ihm, dem nimmermüden Wanderer, die letzte Ehre geben wollte.

Es sei einem Freund, der siebzehn Jahre lang sein Amts- und Wandergenosse gewesen ist, vergönnt, der verdienstvollen Tätigkeit dieses Mannes einige Zeilen zu widmen.

Karl Hürten stammte aus Brühl aus gut bürgerlichen Verhältnissen. Schon früh zog ihn die Eifel an. Er genoss seine Ausbildung am Gymnasium in Münstereifel und wirkte an ein und demselben Gymnasium 32 Jahre lang als Lehrer der Mathematik, seit zwei Jahren lebte er dort im Ruhestand und hat ein Alter nahezu 70 Jahren erreicht. Wie einfach und zurückgezogen scheint diese Leben, und doch, wie hat sein Träger anregend und aufklärend gewirkt in der Erforschung der Heimat!

Professor Hürten ist weitesten Kreisen im Rheinland bekannt geworden durch sein Wirken im Eifelverein, dessen Hauptvorstand er seit 15 Jahren angehörte, in dessen Vereinsblatt er eine stattliche Reihe wertvollster Aufsätze über die Heimat und die Heimatgeschichte erscheinen ließ: in den langen Monaten seiner letzten Krankheit noch vollendete er sein Hauptwerk, die Geschichte Münstereifels.

Im Wegeausschuss des Eifelvereins war Hürten bis zu den letzten Jahren Wegewart für die Linien Münstereifel-Altenahr und Daun-Wittlich. Förstern und Landleuten ist in diesem seinem Sondergebiet der rüstige Wanderer mit seinem sympathischen, leutseligen Wesen, mit seinem wallenden Bart eine wohlbekannte Erscheinung gewesen.

Von seinen Beiträgen zum Eifelsvereinsblatt seien erwähnt seine jetzt allgemein angenommene Erklärung des Namens Eifel als Eibenland, nach dem in alter Zeit dort häufigen Eibenbaum, seine Geschichte des Steinfelder Hofs in Münstereifel, seine Untersuchungen über den frühern Weinbau im Grenzland der Eifel, über Einkünfte von Eifelklöstern usw.

Durch vier Entdeckungen vor allem wird Karl Hürten unter den Eifelforschern weiterleben.

Er hat im Norden von Münstereifel, auf dem sogenannten Quecken, eine Burg aus der Zeit der Karolinger festgestellt Die Umfassungsmauern und der Bergfried sind auf seine Anregung hin aus den Schuttmassen entstanden. Im Bergfried fand man karolingische Münzen. Seit die Normannen auf einem Raubzug von Mehlem aus nach der reichen Abtei Prüm diese Münstereifeler Burg in Trümmer gelegt hatten, vor mehr als tausend Jahren, war diese Burg verschollen, bis Karl Hürten sie wieder erstehen ließ.

Von noch viel früheren Zeiten unsrer Heimat, von der grauen Vorzeit, sollten die Entdeckungen Hürtens uns Kenntnis geben. Er fand auf der Hardtburg bei Weingarten, in der Nähe von Euskirchen, eine keltische Wallburg, die in den Kämpfen der Eburonen mit Cäsar eine Rolle gespielt haben mag. Das Provinzialmuseum in Bonn hat in verdienstvoller Weise den ganzen Wall mit mehreren noch erkennbaren Toren freigelegt.

Auch über die Zeit, da unsere Heimat den friedvollen Segen römischer Kultur genoss, gibt uns eine Entdeckung Hürtens wichtige Auskunft. Er fand im Walde von Pesch bei Münstereifel eine römisch-keltische Tempelanlage, die sich nach vollständiger Ausgrabung durch das Provinzialmuseum als einen Fund von größter Wichtigkeit heraustellte: der Verein der Altertumsfreunde der Rheinlande hat über ihn einen starken Band herausgegeben mit Photographien der Fundstücke und Rekonstruktionsversuchen der verschiedenen Tempel und ihrer Nebenbauten. Ein Aquarell des Malers Toni Krahforst im Provinzialmuseum in Bonn gibt uns diese rekonstruierte große Tempelanlage anschaulich wieder.

Männer der Wissenschaft und gelehrte Körperschaften wurden aufmerksam auf die Entdeckungen Hürtens, und er ließ sich fürwahr keine Mühe verdrießen, immer und immer wieder die Führung zu seinen Funden zu übernehmen. Die wichtigsten Feststellungen hat Hürten über den Römerkanal gemacht, der von Nettesheim aus das römische Köln mit Trinkwasser aus der Eifel versorgte. Jahrelang hat diese Materie den Forscher beschäftigt.

Er hat seine Ergebnisse veröffentlicht im Eifelvereinsblatt und in einem Sonderheft des Vereins Alt-Köln (November 1915, 2. Band, Heft 7). Vier Abbildungen erläutern den Text. Der rührige Kölner Eifelverein hat ein Meterstück dieses Kanals von Weingarten nach Köln transportieren lassen. Links vom Haupteingang des Wallraf-Richartz-Museums steht dieses Stück zu jedermanns Ansicht.

Es sei auf den 25 Zentimeter hohen Bodensinter hingewiesen, der mehreren Eifelkirchen marmorähnliche Säulen und Treppenstufen geliefert hat. Der Kanal ist vielleicht von Kaiser Hadrian um das Jahr 120 n. Chr. erbaut und wohl erst in den Stürmen der Völkerwanderung zerstört worden. Er folgt dem Gefälle der Landschaft und nutzt nirgendwo das Gesetz der kommunizierenden Röhren zu Verkürzungen aus.

Als Leiter der Ortsgruppe Münstereifel des Eifelvereins, so nahe bei den rheinischen Großstädten, hatte Hürten jährlich Hunderte von Briefen zu beantworten von Sommerfrischlern, Touristen und Touristenvereinen. Am eifrigsten wurde Verkehr gepflegt mit den Ortsgruppen Düren, Bonn, und vor allem mit dem Kölner Eifelverein. Drei Feste, die wir mit den Kölnern feierten, werden hüben wie drüben unvergessen sein: die fünzigste Wanderung, die Jubiläumswanderung der Kölner nach Münstereifel im Oktober 1913, die Silvesterfeier auf der Münstereifeler Burg 1913/14, das fünfundzwanzigjährige Jubiläum von Professor Hürten als Lehrer am Gymnasium zu Münstereifel im April 1914.

Mit Professor Hürten ist ein liebenswürdiger Vertreter der alten Zeit dahingegangen, ein kenntnisreicher, vielseitiger Mann, durchaus nicht weltfremd, mustergültig auch in der Pflege seiner Obstkulturen, mustergültig auch in seiner Bienenzucht, theoretisch und praktisch wohl der sachkundigste Immenvater der ganzen Nordeifel. Wer mit ihm als Wandergenosse die Eifel durchstreift hat, wer ihn bei den Hauptversammlungen des Eifelvereins mitraten und mittaten sah, wer mit der literarischen Lebensarbeit dieses fest im Heimatboden wurzelnden Mannes vertraut ist, wer seine selbstlose, aufrichtige Seele kennengelernt hat, dem wird der Eifelvater Hürten unvergessen bleiben.

Ave, anima candida!

Zum 25jährigen Jubelfeste.
Mel.: Wohlauf die Luft.

Schon wieder, Herr Professor gilt’s.
Dich heute hier zu feiern!
Wie damals aus dem Herzen quillt’s,
Neufreundschaft zu beteuern.
Drum bringen Gruß und Wünsche wir,
Von unsern Frau’n und Mannen!
Stets gerne kommen wir zu Dir,
Zieh’n freudig auch von dannen.
Valerie Valera.
Wer Hürten kennt, ihn lieb gewann
Ob seinem Fleiß, der Treue!
Von jeher war er unser Mann,
Ein Treuschwur drum aufs neue.
Es schieße Deine gute Saat,
Wie Frühlingsknospen sprießen!
Freudvoll woll’n wir bei ernster Tat,
Manch Jahr mit Dir genießen.
Auch kling Dir heitrer Lobgesang,
An spätem Frühlingstagen,
Und was als Sämann Dir gelang.
Gern es die Früchte sagen.
Pflichttreue und ein Herz voll Lust.
Bei stetem Tatendrange,
Bewahrtest Du in deutscher Brust!
Fest standst Du stets zur Stange!
Von ganzem Herzen wünschen wir:
Dir Glück, Gesundheit, Freude!
Ein Kranz im Geist Dich heute zier.
Mit Schleif aus reinster Seide!
Füllt denn die Gläser bis zum Rand!
Ein Hoch dem Jubilare!
Nimm hin zum Gruß die biedre Hand,
Die Freundschaft hoch, die wahre!

Lindgens